Montag, 26. Oktober 2009

Letzter Arbeitstag....

...vor meinem Urlaub und mir passiert fast dasselbe wie in meiner ersten Arbeitswoche. Damals war ein männlicher Kunde zu doof auf mich zu hören, er solle nicht einfach den Kinderautositz aus dem oberen Regal ziehen, weil (sehr offensichtlich!) ein Brett davor stand. Er ignorierte meine Warnung und das Weitere kann man sich denken...Brett fiel auf Hohlhirn;-)
Und wer war in seinen Augen natürlich schuld? Klar: Ich.
Und wie macht man(n) sich dann Luft? Indem man sich vor mir aufbaut und die Hand erhebt...

Das Ganze ist nun schon fast 5 Jahre her und in der Zwischenzeit gab es nur hin und wieder kleine verbale Unstimmigkeiten mit einigen Kunden, denen man schon an der Nasenspitze ansieht, dass sie Ärger machen wollen.

Heute nun, am letzten Arbeitstag vor meinem Urlaub, wurde mir echt elend:
Schon am Freitag hat mich dieser Kunde genervt: Schwarzafrikaner, einer von der Macho-Arschlochfraktion, der nur sein krankes Ego pflegt und Frauchen arbeiten lässt. Ich hab sie echt gefressen, diese Männer! Und bevor jetzt mahnende Kommentare kommen, von wegen Verständnis für andere Kulturen und Ausländerfeindlichkeit. Zu meiner Verteidigung: Ich war jahrelang aktives Mitglied bei Amnesty International;-) und so einen aufgeblasenen Gockel würde ich schon nach einer Stunde ins Freiluftgehege setzen!

Ich musste also schon am Freitag kräftig schlucken, als mir dieser xzensiertx alles aus den Regalen zog und es mir überheblich auf den Tisch knallte mit einem "Frauchen-räum-du-mal-weg"-Blick. Inzwischen habe ich etwas Gespür, wann es angebracht ist, etwas zu sagen und wann es besser ist den Schnabel zu halten.
Tief Luft inhaliert und meinen Teil gedacht und ihn in meinem auf Hochtouren laufenden Kopfkino schon mal kastriert.
Auf meine Nachfrage,ob er wirklich alle Klamotten will, denn wenn einmal die Ettiketten abgemacht sind, gibt es kein Zurück - das ist eben der Preis im Secondhand-Laden, der Kompromiss, den man eingehen muss und dafür gibt`s ja alles für lau.

Ich hatte schon eine Vorahnung, dass dieser Typ nicht genug Geld dabei hat. Ihm also freundlich den Vorschlag gemacht, dass er mal eben zur Bank gehen kann und ich ihm die Ware auf die Seite lege. Innerlich bereitete ich mich schon mal darauf vor, dass er nicht mehr kommt und ich wieder mindestens 2 (unbezahlte, versteht sich) Überstunden absitzen kann, um die passenden Ettiketten wieder an die Klamotten anzubringen.
Aber, oh Wunder! Er kam zurück und zahlte, oh Wunder! die Ware. Da lag er nun vor mir, der Riesenberg Kinderklamotten und ich suchte verzweifelt nach einigermaßen großen Tüten, um sie zu verstauen. als ich endlich zwei gefunden hatte, stand der xzensiertx breitbeinig, mit verschränkten Armen vor mir und grinste mich mich in einer überheblichen Art an, dass ich ihm am liebsten jede Locke einzeln glattgebügelt hätte.
"Würden Sie mir BITTESCHÖN helfen, IHRE Sachen in die Tüte zu verstauen? Einfach mal die Tüte aufhalten..."

Der Buschmann sah mich an, als ob ich von einem anderen Planeten komme, griff widerwillig die Tüte an und fühlte sich garantiert in seiner männlichen Möchtegernehre gekränkt. Welcher Fauxpas von mir? Wie konnte ich es wagen?...

Von diesem Moment an hatte ich es garantiert bei ihm vergeigt.

Heute kam er wieder. Und nach den Worten meiner Söhne "voll aggro drauf".
Monsieur meinte, er könnte dreimal die Hälfte wieder zurückbringen und tauschen, was aber nicht geht und was ich ihm auch ausführlich erklärt hatte. Die Waren kommen von hunderten von Kunden und was einmal ausbezahlt wurde, kann nicht wieder zurückgenommen werden. Ist eben der Preis für den Vorteil, dass man Pullis und Hosen zu einem Spottpreis erhält.
Ich spürte schon, wie er innerlich kochte und ich machte ihm den Vorschlag, dass ich die Ware annehme, ihm eine eigene Karteikarte erstelle und die Sachen auf seinen Namen verkaufe. Interessierte ihn nicht, er hörte mir noch nicht mal zu. Freundlich aber bestimmt blieb ich auf meinem Standpunkt, versuchte mir mein innerliches Zittern nicht anmerken zu lassen.

Die andere, einzige Kundin im Laden gab mir durch Handzeichen zu verstehen, dass sie noch dableibt und mich nicht alleine lässt, sollte die Sache eskalieren. Solidarität unter Frauen....*freu*....

Ich blieb standhaft, aber als der Idiot noch einen weiteren Schritt auf mich zumachte und ich seine wütenden , funkelnden Augen sah, erwachte mein Kampfgeist. Mit angestrengt aufgesetzter selbstbewusster Stimme entgegnete ich ihm, dass ich ihm einen Kompromiss vorgeschlagen habe, den er nun in Anspruch nehmen oder den Laden verlassen soll.

In gebrochenem Deutsch hörte ich ein gezischtes "Da sehen sie mal, wie man mit uns Ausländern umgeht...". Die andere Kundin zeigte ihm mit einem dementsprechenden Blick, dass sie meiner Meinung ist.
So viel Frauenpower war ihm zuviel, er trat noch einen weiteren Schritt auf mich zu und als ich nicht zurückwich (mir aber vor Angst beinahe schlecht wurde), griff er mir ans Handgelenk.

Mich fasst keiner ungefragt an!!!

Mit einem kraftvollen Schwung drehte ich mein Gelenk aus seinem Griff, drückte ihm seine Tüten in die Hand und funkelte ihn an "RAUS !!!!"

Toller letzter Arbeitstag.
Und ich habe den vagen Verdacht, dass dieser Tütenkasper sich das nicht gefallen lässt und wieder kommt.

Wenigstens bin ich ja 2 Wochen in Sicherheit;-)

3 Kommentare:

Zirkuskind hat gesagt…

Huuu...Krass!!
Innerlich gezittert hätte ich da aber auch.
Aber sehr nett von der anderen Kundin, dass Sie dageblieben ist.

Genieß deinen Urlaub!!! :)

Sam hat gesagt…

Bei der Sache mit dem Handgelenk hätte ich nie und nimmer so ruhig bleiben können - ich hätte ihm die Nase gebrochen.

"Da sehen sie mal, wie man mit uns Ausländern umgeht..." Das klingt ja gerade so als würde er sich häufiger daneben benehmen, um dann diesen Satz sagen zu können. Was für ein *zensiert*

Schönen Urlaub, geniess Strand und Palmen :D

Lilly hat gesagt…

ZIRKUSKIND: Ja, ich fand das auch klasse von ihr, dass sie dageblieben ist - trotz kleinem quengelndem Kind. Ist nicht selbstverständlich und ich bin ihr sehr dankbar.

SAM: Ich musste mich auch sehr am Riemen reissen! Aber der hat so gefunkelt ...weiss nicht, was der mit mir gemacht hätte. Hätte er mich richtig angegriffen, dann hätte ich mal meinen Pfefferspray gezückt. Der liegt immer einsatzbereit in der Schublade.
Komischerweise passiert meiner Kollegin sowas nie. Sie ist 2 Köpfe größer als ich und ein Handballmuskelpaket;-)

@ALL: Danke für die Urlaubswünsche;-)

Kommentar veröffentlichen